Lichterkonzert 2005
Am 04.12.2005 fand das Lichterkonzert 2005 des Main-Taunus-Kammerchores in der katholischen Kirche St. Katharina in Bad Soden statt. Hierzu erschien im Höchster Kreisblatt folgender Bericht:
Höchster Kreisblatt, Printausgabe vom 06.12.2005
Volles Haus beim Main-Taunus-Kammerchor in der Kirche St. Katharina
Zwei Zugaben nach dem Oratorium
Von Lutz Riehl
Bad Soden. Das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach gehört für viele genauso zur Vorweihnachtszeit wie Christstollen und Plätzchen. Daher erscheint es in keiner Weise verwunderlich, dass die Kirche St. Katharina am vergangenen Sonntag restlos gefüllt war, als der Main-Taunus-Kammerchor, im Rahmen seines «4. Lichterkonzertes» zu einer Aufführung der ersten drei Kantaten dieses Werkes geladen hatte. Der nur durch Kerzen beleuchtete Kirchenraum bildete bereits einen stimmungsvollen Rahmen für dieses Konzert.
In der Tat, Bachs Weihnachtsoratorium aus dem Jahr 1734 ist ein Beispiel für die musikalisch-theologische Ausdeutung der Weihnachtsgeschichte. Allerdings belegt dieses Werk auch, dass Bach seine Musik mehrmals verwendete. Insgesamt 19 Arien und Chöre des Weihnachtsoratoriums hatte der Leipziger Thomaskantor in anderer Form schon vorher für Geburtstags- und Huldigungskantaten verwendet. Dazu zählen so berühmte Sätze wie die Chöre «Jauchzet, frohlocket», oder auch «Herrscher des Himmels, erhöre das Lallen, lass dir die matten Gesänge gefallen».
Aus musikalischer Sicht konnte an diesem Abend glücklicherweise weder von «Lallen», noch von «matten Gesängen» die Rede sein. Im Gegenteil: Der Main-Taunus-Kammerchor, das Studentische Kammerorchester Frankfurt und das junge Solistenquartett (Elisabeth Fischbach, Katharina Magiera, Christian Dietz und Kai Florian Bischof) präsentierten sich unter der Gesamtleitung von Tobias Landsiedel in einer äußerst bestechenden Form.
Bereits der festliche Eingangschor «Jauchzet, frohlocket» legte den Grundstein für ein ansprechendes Konzert, der Chor glänzte nicht nur durch einen ausgewogenen Gesamtklang, sondern auch durch ein ausgezeichnetes Textverständnis. Die durch diesen Beginn erweckten Erwartungen wurden auch im weiteren Verlauf des Konzertes bestätigt, so zeigten sich die Sodener Sängerinnen und Sänger auch bei den beiden Chorfugen «Ehre sei Gott» und «Lasset uns nun gehen» sehr präsent und sicher. Auch der feierliche Chor «Herrscher des Himmels, erhöre das Lallen», bei dem der Chor zeigte, dass er auch bei raschen Tempi konstant bleibt, konnte sich hören lassen.
Der Hauptteil des Chores lag jedoch in der Gestaltung der Choräle, die, wie auch in den Passionen Bachs, den Verlauf der Handlung unterbrechen. Hier zeigten Landsiedel und sein Chor viel Gefühl für die Herausarbeitung einzelner Passagen, ohne dabei jedoch den musikalischen Fluss zu vergessen, auch wenn man den ein oder anderen Choral, wie zum Beispiel «Schaut her, dort liegt im finstern Stall» noch etwas mehr hätte zurücknehmen können.
Die guten Leistungen des Chores wurden durch den Auftritt der Solisten in idealer Weise ergänzt. So zeigte die Sopranistin Elisabeth Fischbach stimmliche Brillanz und eine sichere Intonation. Katharina Magiera (Alt) überzeugte vor allem durch ihr volles, warmes Timbre, das besonders bei der berühmten Wiegenlied-Arie «Schlafe, mein Liebster, genieße der Ruh» zum Ausdruck kam. Mit seiner schlanken und präzisen Stimmführung bot Christian Dietz (Tenor) eine bravouröse Evangelisten-Partie und zeigte auch bei der Arie «Frohe Hirten, eilt, ach eilet» sein Können. Kai Florian Bischof (Bass) bot eine hervorragende Leistung und begeisterte vor allem mit seiner Interpretation der Arie «Großer Herr, o starker König».
Die musikalische Gesamtleistung wurde vom Publikum mit rauschendem Beifall belohnt, bei dem sich das Ensemble mit zwei Zugaben bedankte. Nach einer nochmaligen Darbietung des Eingangschores wünschte der Chor den Zuhörern mit einem «Irischen Segensspruch», mit dem es schon bei seinem Lichterkonzert vor zwei Jahren begeisterte, eine schöne Advents- und Weihnachtszeit. Auf die kommenden Konzerte darf man also gespannt sein.
