Johannes-Passion 2007
Am 01.04.2007 führte der Main-Taunus-Kammerchor e.V. die Johannes-Passion von J.S. Bach in der katholischen Kirche St. Katharina, Bad Soden, auf. Hierzu erschien in der Frankfurter Neuen Presse folgender Bericht:
Frankfurter Neue Presse, Printausgabe vom 07.04.2007
Eindrucksvolle Interpretation der Johannes-Passion
von Lutz Riehl
Bad Soden. Die musikalische Darstellung der Passion Christi kann auf eine lange Tradition zurückblicken, die bis in die Gegenwart hineinreicht. Dennoch ist diese Gattung in erster Linie durch die beiden Passionen Johann Sebastian Bachs präsent, die nicht nur zu den wichtigsten Schöpfungen des Leipziger Thomaskantors zählen, sondern auch innerhalb der abendländischen Kirchenmusik einen Meilenstein darstellen. Auch wenn aus Sicht der Musikforschung Bachs Johannes-Passion stets ein wenig im Schatten ihrer „großen Schwester“, der Matthäus-Passion, stand, so erfreut sie sich bis heute bei Musikern wie beim Publikum größter Beliebtheit und ist aus den Konzertprogrammen der vorösterlichen Zeit nicht mehr wegzudenken.
So geschieht es auch nicht selten, dass der Musikfreund zwischen verschiedenen Aufführungen wählen kann. Auch der Main-Taunus-Kammerchor unter der Leitung von Tobias Landsiedel brachte dieses Werk mit Unterstützung des Studentischen Kammerorchesters Frankfurt am Sonntagabend in der katholischen Kirche St. Katharina zu Gehör. Trotz der starken Konkurrenz an anderen Orten konnte sich das Ensemble über eine voll besetzte Kirche freuen.
Als Bach am Karfreitag 1724 seine Johannes-Passion erstmals aufführte, befand er sich in seinem ersten Amtsjahr als Thomaskantor und wollte mit dieser Komposition sein ganzes Können zeigen. So gestaltete er den biblischen Passionstext mit bildhafter Dramaturgie, die schon fast an eine Oper erinnert und von einigen seiner Zeitgenossen mit Sicherheit als zu weltlich empfunden wurde. Eine wichtige Funktion kommt hierbei dem Chor zu, der das Geschehen nicht nur durch am Gemeindegesang angelehnten Choräle kommentiert, sondern auch jene Volksmenge darstellt, mit der Pilatus verhandelt. So lassen beispielsweise die drastischen und emotionsgeladenen Kreuzigungs-Rufe ein Gefühl von Fanatismus aufkommen. Bereits beim energiegeladenen und spannungsreichen Eingangschor „Herr, unser Herrscher“ legten Chor und Orchester die Messlatte recht hoch; das hier angeschlagene hohe Grundtempo dominierte das gesamte Werk und schuf somit einen nachvollziehbaren Spannungsbogen, der bis zum Schluss anhielt. Die Darstellung der Volksmenge in den Tuba-Chören konnte – abgesehen von einem verschleppten Einsatz – überzeugen, vor allem die durch ihre verschobene Rhythmik an den Jazz erinnernde Fuge „Lasset uns den nicht zerteilen“, die von der Teilung des Gewandes Jesu bei der Kreuzigung berichtet, zeigte, dass der Chor gut vorbereitet war. Die Interpretation der Choräle war weitgehend schlicht gestaltet; nur an zentralen Stellen wurde mit Hilfe feinster dynamischer Differenzierung der Text besonders hervorgehoben, hier beeindruckte vor allem der Schlusschoral „Ach Herr, lass dein lieb Engelein“. Aber auch der große Trauerchor „Ruht wohl, ihr heiligen Gebeine“ wurde mit viel interpretatorischem Feingefühl dargeboten.
Auch die Leistung der Solisten konnte sich hören lassen; allen voran seien hier Christian Dietz (Evangelist) und Kai Florian Bischoff (der an diesem Wochenende bereits zum dritten Mal als Jesus zu hören war) erwähnt, die mit schlanker Stimmführung, hervorragender Intonation und klarer Deklamation voll überzeugten. Sebastian Naglatzki ging die Rolle des Pilatus zwar stellenweise etwas massiv an, brillierte aber mit seiner tiefen, vollen Stimme in seinen beiden Arienvorträgen, ebenso wie Robert Gardiner (Tenor), der an diesem Wochenende ebenfalls seine dritte Johannes-Passion sang. Die Sopranistin Johanna Greulich und Katharina Magiera standen ihren männlichen Kollegen in nichts nach und fügten sich gut in das Ensemble ein. Die beachtenswerte Gesamtleistung wurde vom Publikum mit Standing Ovations belohnt.
