Frühlingskonzert 2010
Am 25.04.2010 führte der Main-Taunus-Kammerchor das Frühlingskonzert 2010 im Bürgerhaus Bad Soden Neuenhain auf. Im Höchster Kreisblatt erschien hierzu folgender Bericht:
Höchster Kreisblatt, Printausgabe vom 27.04.2010
von Lutz Riehl
Kammerchor begrüßte den Frühling
Das Publikum nahm den Reigen der Volkslieder begeistert auf
Hofheim. Viele dürften mit einem Volkslied, den schulischen Musikunterricht oder auch erste Erfahrungen im Chorsingen verbinden, und so manchem mögen diese Gesänge altbacken erscheinen. Dass es auch anders geht, bewies am Wochenende der Main-Taunus-Kammerchor, der mit zwei Benefizkonzerten zugunsten des Horizonte Hospizvereins in der Thomaskirche und im Bürgerhaus Bad Soden klangvoll den Frühling einläutete. Auf dem Programm standen deutsche und internationale Volkslieder. Für Chorleiter Tobias Landsiedel, der mit seinem Ensemble in den vergangenen Jahren klassische Werke aufführte, ein ungewöhnliches Projekt: «Vor drei Jahren hätte ich mir ein solches Konzert noch nicht vorstellen können», bekennt er, «aber man wird älter und erkennt, dass diese Lieder viel über unser alltägliches Leben erzählen.» Die meisten der 20 Lieder, die der Chor mitgebracht hatte, waren in modernen, teils sehr anspruchsvoll zu singenden, aber auch humorvollen Arrangements zu hören.
Mit dem romantischen Lied «So sei gegrüßt viel tausendmal» feierte der Chor nicht nur begeistert den Frühling, sondern verbeugte sich musikalisch auch vor Robert Schumann, dessen 200. Geburtstag in diesem Jahr gedacht wird. Mit der klangfarbenreichen Bearbeitung des Volksliedes «Nun will der Lenz uns grüßen», bei der die Liedmelodie durch alle Stimmen wandert, zeigte sich der Chor sowohl in Sachen Textverständnis als auch in der Intonationssicherheit voll auf der Höhe, die musikalische Gestaltung wurde dabei keinesfalls vergessen. Das galt auch für die beiden Jagdlieder «Auf, auf zum fröhlichen Jagen» und «Ein Jäger aus Kurpfalz», die mit einigen harmonischen Raffinessen aufwarteten, was der Kammerchor, trotz der Unterbesetzung in einigen Stimmlagen, gut bewältigte. Doch das Volkslied ist auch komisch, wie man bei «Kuckuck, Kuckuck ruft’s aus dem Wald», das als ein herrlich beschwingter Calypso daherkam, anschaulich miterleben konnte – ein Beitrag, der mit restloser Begeisterung aufgenommen wurde.
Ein ganz besonderes Bonbon bildeten die einfallsreichen Moderationen zwischen den einzelnen Programmblöcken. Es gab Ausflüge in die Literatur, die Palette reichte von der hintersinnigen Lyrik eines Joachim Ringelnatz über die Wortkreationen des Dadaisten Kurt Schwitters bis hin zu Shakespeare-Versen im englischen Original. Selten wird so viel Sorgfalt auf die Moderation verwendet. Die Einstimmung auf zwei schwedische Volkslieder erfolgte allerdings mehr nach dem Motto «Wohnst du noch oder singst du schon» und sorgte für viel Heiterkeit, während die Lieder selbst wieder mit farbenfrohen, modernen Klängen aufwarteten. Für die Klassik-Freunde folgten im Anschluss mit «Erlaube mir feins Mädchen» und «All mein Gedanken» zwei Lieder von Johannes Brahms. Mit dem französischen Lied «Alouette» endete der erste Teil.
Nach kurzer Pause startete der Chor mit dem schwungvollen «La Cucaracha» und dem beschwingten «Heißa Kathreinerle», bevor es mit dem pfiffig arrangierten «Horch, was kommt von draußen rein», dem von Reger kühn harmonisierten «In einem kühlen Grunde» und «Insbruck, ich muss dich lassen» um das Thema Liebesschmerz ging. Schließlich fehlte noch der Bereich Abschied und Nacht; nach «Verstohlen geht der Mond auf» durfte das Publikum bei «Der Mond ist aufgegangen» mitsingen, Unterstützung kam von Tobias Landsiedel und seiner grandiosen Liedimprovisation am Flügel, angereichert mit Salsa und Popklängen. Nach dem Schlusslied «Muss i denn» bedankte sich der Chor für den großen Beifall noch mit Mendelssohns «Mailied». Da kommen Frühlingsgefühle auf.
